Granatapfelöl oder Granatapfelkernöl?
Wer nach der Wirkung von Granatapfelöl sucht, findet Texte über sehr verschiedene Erzeugnisse: Saft, Fruchtextrakt, Nahrungsergänzung und das Öl aus den Samen. Sie unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung, und Ergebnisse zu einem davon lassen sich nicht auf die anderen übertragen.
Dieser Artikel behandelt nur das kaltgepresste Öl aus den Samen und seine Verwendung in der Hautpflege. Saft, Kapseln und die innerliche Anwendung sind nicht Thema.
Herkunft und Name
Der Granatapfel (Punica granatum L.) gehört zur Familie der Weiderichgewächse (Lythraceae). Er stammt aus dem Gebiet des heutigen Iran und Nordindiens und wird dort seit mehreren Jahrtausenden angebaut. Über den Mittelmeerraum verbreitete er sich weiter, heute kommt er auch aus Kalifornien, der Türkei, Spanien und Aserbaidschan.
Der deutsche Name ist eine Lehnübersetzung des lateinischen malum granatum oder pomum granatum, wörtlich „kernreicher Apfel“ (von granum, Korn). Das englische pomegranate kam über das altfranzösische pome grenate ins Englische.
Der Gattungsname Punica geht auf lateinisch punicus zurück, „punisch“ oder „karthagisch“. Die Römer kannten die Frucht aus Karthago und nannten sie malum punicum. Daher hat auch die Punicinsäure ihren Namen.
In griechischen Mythen, in der hebräischen Bibel und in persischer Dichtung steht der Granatapfel häufig für Fruchtbarkeit und Fülle.
Gewinnung und Preis
Essbar sind beim Granatapfel die Samenmäntel, botanisch Arillen. Für das Öl werden die Samen aus den Arillen gelöst, gewaschen, getrocknet und kalt gepresst. Bei der Kaltpressung wird keine Wärme von außen zugeführt, und es kommen keine Lösungsmittel zum Einsatz. Das schont die empfindlichen Fettsäuren, senkt aber die Ausbeute.
Ein Granatapfel besteht zum größten Teil aus Schale, Trennhäuten und Saft. Die Samen machen nur einen kleinen Anteil aus, und beim Kaltpressen gewinnt man aus ihnen nur einen Bruchteil ihres Gewichts als Öl. Für einen Liter werden deshalb sehr viele Früchte gebraucht, deutlich mehr als bei Oliven, Mandeln oder Sonnenblumen. Granatapfelkernöl zählt damit zu den teuersten Pflanzenölen in der Kosmetik und wird in Rezepturen sparsam dosiert.
Zusammensetzung
Granatapfelkernöl ist ein fettes Öl und besteht fast vollständig aus Triglyceriden, also aus Fettsäuren, die an Glycerin gebunden sind. Ein typisches kaltgepresstes Öl setzt sich so zusammen:
| Fettsäure | Einordnung | Anteil (typisch) |
|---|---|---|
| Punicinsäure | konjugiert, Omega-5 | 70 bis 76 % |
| Linolsäure | Omega-6 | 6 bis 9 % |
| Ölsäure | Omega-9 | 4 bis 7 % |
| Palmitinsäure | gesättigt | 3 bis 5 % |
| Stearinsäure | gesättigt | 2 bis 3 % |
| weitere konjugierte Fettsäuren | u. a. Eläostearinsäure, Katalpasäure | 2 bis 4 % |
Die Spannen stammen aus veröffentlichten Analysen iranischer Granatapfelsorten (Quelle 2). Für unsere eigene Rezeptur sind knapp 74 Prozent Punicinsäure dokumentiert. Die Werte schwanken je nach Sorte, Anbaugebiet und Erntejahr, der hohe Anteil an Punicinsäure bleibt aber gleich.
Punicinsäure wird oft als Omega-3-Fettsäure bezeichnet, weil sie zu den Linolensäuren gehört. Ihre letzte Doppelbindung liegt jedoch am fünften Kohlenstoffatom vom Methylende aus. Sie ist deshalb eine Omega-5-Fettsäure.
Häufig wird Granatapfelkernöl auch mit Vitamin C in Verbindung gebracht. Vitamin C ist wasserlöslich und steckt im Saft der Frucht, in einem fetten Öl ist es praktisch nicht enthalten. Für die B-Vitamine gilt dasselbe. Fettlösliche Begleitstoffe wie Tocopherole (Vitamin E) kommen im Öl vor, allerdings in kleinen Mengen.
Punicinsäure
Punicinsäure ist eine konjugierte Linolensäure (CLnA). Ihre drei Doppelbindungen sind jeweils nur durch eine Einfachbindung voneinander getrennt. Bei den meisten Fettsäuren in Pflanzenölen liegt dagegen eine CH₂-Gruppe dazwischen, man spricht dann von methylenunterbrochenen Doppelbindungen.
Konjugierte Fettsäuren kommen in größeren Mengen nur in wenigen Samenölen vor, zum Beispiel in Tungöl, Bittermelonensamenöl und Calendulaöl. Unter den Ölen, die in der Kosmetik verwendet werden, ist Granatapfelsamenöl das bekannteste.
Die konjugierte Struktur macht das Öl empfindlicher gegenüber Sauerstoff, Wärme und Licht als Mandel- oder Olivenöl. Wie stark dieser Effekt sein kann, zeigt Tungöl: Es härtet an der Luft aus und wird deshalb seit Jahrhunderten zur Holzbehandlung genutzt. Granatapfelkernöl sollte daher kühl und lichtgeschützt gelagert und nach dem Öffnen zügig verbraucht werden. Dunkles Glas schützt dabei besser als mattiertes.
Unsere Erfahrung mit dem Öl
Wir verwenden Granatapfelkernöl seit 2022 in unserem Gesichtsöl. Drei Punkte haben sich in der Praxis als wichtig erwiesen.
Anteil in der Rezeptur. In unserem Gesichtsöl liegt der Anteil bei 2,1 Prozent. Gründe dafür sind der Preis und die Empfindlichkeit gegenüber Sauerstoff. Ein Öl, das zu drei Vierteln aus einem konjugierten Trien besteht, hält in einer stabilen Trägerbasis länger. Bei uns ist das kaltgepresstes Bio-Mandelöl.
Duft. In unseren Produktbewertungen erwähnen Kundinnen den Duft am häufigsten als Erstes. Er stammt aus einem zugesetzten Gemisch ätherischer Öle. Das Granatapfelkernöl selbst riecht kaum.
Haltbarkeit. Für unser Gesichtsöl geben wir sechs Monate nach dem Öffnen an und füllen es in mattiertes Glas mit Umkarton. Die Frist ergibt sich aus der Fettsäurestruktur des Öls.
Geruch und Hautgefühl
Reines Granatapfelkernöl riecht nicht nach Granatapfel, das fruchtige Aroma steckt im Saft. Das Öl selbst riecht kaum bis leicht nussig, ist hell bis bernsteinfarben und mittelviskos.
Duftet ein Produkt mit Granatapfelkernöl deutlich fruchtig oder nach Zitrus, kommt das von zugesetzten Duftstoffen. Welche das sind, zeigt die Inhaltsstoffliste.
Anwendung
Pur gibst Du das Öl sparsam auf die gereinigte, leicht feuchte Haut und klopfst es sanft ein. Wenige Tropfen reichen für das ganze Gesicht. In fertigen Produkten wird es meist mit stabileren Trägerölen wie Mandel-, Avocado- oder Jojobaöl kombiniert.
Du kannst auch ein bis zwei Tropfen unter Deine gewohnte Tages- oder Nachtcreme mischen. Hals und Dekolleté pflegst Du genauso wie das Gesicht.
Bei empfindlicher oder zu Unreinheiten neigender Haut beginnst Du am besten mit einem Tropfen und wartest ab, wie Deine Haut reagiert.
Was über die Wirkung bekannt ist
Zum Granatapfel gibt es viele Studien. Die meisten untersuchen Saft, Schalenextrakt oder einzelne Polyphenole, oft im Tierversuch oder in der Zellkultur und häufig bei innerlicher Aufnahme. Diese Ergebnisse lassen sich nicht auf ein kaltgepresstes Samenöl übertragen, das auf die Haut aufgetragen wird.
Zum Samenöl selbst gibt es deutlich weniger Daten. Eine Wirkung, die über die Pflege hinausgeht, lässt sich nach heutigem Stand nicht belegen.
Granatapfelkernöl ist ein hochwertiges Pflegeöl mit ungewöhnlicher Zusammensetzung. Es pflegt, spendet Feuchtigkeit, zieht gut ein und hinterlässt ein geschmeidiges Hautgefühl.
Häufige Fragen
Wonach riecht Granatapfelkernöl?
Kaum. Das reine Öl riecht leicht nussig. Der fruchtige Granatapfelduft steckt im Saft, nicht im Samen.
Warum ist Granatapfelkernöl so teuer?
Die Samen machen nur einen kleinen Teil der Frucht aus, und die Ölausbeute beim Kaltpressen ist gering. Für einen Liter braucht man entsprechend viele Früchte.
Enthält Granatapfelkernöl Vitamin C?
Praktisch nicht. Vitamin C ist wasserlöslich und steckt im Saft. Im Öl finden sich fettlösliche Begleitstoffe wie Tocopherole, allerdings nur in kleinen Mengen.
Kann man Granatapfelkernöl pur auftragen?
Ja, sparsam und auf leicht feuchte Haut. In fertigen Rezepturen wird es meist mit stabileren Trägerölen gemischt, weil es teuer ist und leicht oxidiert.
Wie lange ist Granatapfelkernöl haltbar?
Kühl, dunkel und gut verschlossen gelagert hält es einige Monate. Für unser Gesichtsöl geben wir sechs Monate nach dem Öffnen an.
Ist Granatapfelkernöl für empfindliche Haut geeignet?
Das hängt vom jeweiligen Produkt ab. Fertige Rezepturen enthalten oft weitere Pflanzenöle und Duftstoffe. Prüfe die vollständige INCI-Liste und teste das Produkt zuerst an einer kleinen Hautstelle.
Wichtige Hinweise
Nur zur äußerlichen Anwendung auf gesunder Haut. Nicht auf offene, frisch operierte oder entzündete Hautstellen auftragen. Kontakt mit den Augen vermeiden. Außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
Bei empfindlicher Haut das Öl zuerst an einer kleinen Stelle testen. Rezepturen mit Granatapfelkernöl enthalten häufig weitere Pflanzenöle. Bei bekannten Allergien gegen Nüsse oder Steinobst lohnt ein Blick in die vollständige Inhaltsstoffliste.
Die Sicherheit von Inhaltsstoffen aus Punica granatum für den kosmetischen Einsatz hat das Cosmetic Ingredient Review Expert Panel bewertet (Quelle 3).
Granatapfelkernöl bei Garden of Oils
In unserem Gesichtsöl ist Granatapfelkernöl die kleinste und aufwendigste Zutat. Die Basis bildet kaltgepresstes Bio-Mandelöl, dazu kommen Avocado-, Jojoba- und Arganöl. Die vollständige Zusammensetzung mit allen Duftstoffen findest Du auf der Produktseite.
Über diesen Artikel
Stand 20.09.2026. Verantwortlich für den Inhalt: Good Oil GmbH, Zippelhaus 2, 20457 Hamburg. Die Sicherheitsbewertung unseres Gesichtsöls nach Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 hat eine externe Sicherheitsbewerterin mit Ausbildung in Lebensmittelchemie und langjähriger Erfahrung in der Toxikologie erstellt. Die dort dokumentierten Analysewerte sind in diesen Artikel eingeflossen.
Wenn Dir ein Fehler auffällt oder Du eine Quelle kennst, die hier fehlt, schreib uns gern.